Seitenblick Verlag
Leseprobe aus »Jungfrauenblut«
Benigna:
Ich bekomme von Georg all die Befehle, die ich für mein Sklavinnendasein brauche. Nach meiner Aufforderung hat
er mir verboten, in seiner Gegenwart Slip und Büstenhalter zu tragen. Fast immer ruft er an, bevor er kommt, und
ich habe Zeit, mich um- oder eigentlich auszuziehen: Bluse, weiten langen oder sehr kurzen Rock oder einfach nur
ein bodenlanges Kleid, darunter nichts oder höchstens einen schmalen Strumpfgürtel (die ihm verhaßten
Strumpfhosen hat er mir nicht nur in seiner Gegenwart, sondern überhaupt verboten). Wenn wir uns
gegenüberstehen, genieße ich mein Unterwerfungs- und Gehorsamsritual, führe seine Hände an meine Brüste, um
ihm zu zeigen, daß sie unter dem Kleid nackt sind, werfe mich vor ihm aufs Bett oder auf den Boden, mit
hochgeschlagenem Rock, und präsentiere ihm den nackten Schoß und die Lenden. Oft fasse ich mich dabei selber
in den Kniekehlen und schlage mir die Beine weit auseinander, weil ich inzwischen weiß, wie sehr er dieses Bild
liebt. Bei anderen Malen entblöße ich zuerst die Brüste und hebe nur den Rock, um mich mit einer drehenden
Bewegung nackt unter den Kleidern zu zeigen. Vor allem bei unseren Begrüßungen in Pachau halte ich das so. Dort
müssen wir zumindest am Tage ein vorsichtigeres Versteckspiel treiben.
Nur selten berührt er mich dabei, packt mich an den Fesseln und spreizt mich auf oder legt die Hände um meine
Brüste. Meist sieht er mich nur an, mit einem flüchtigen Lächeln, das auch Beglückung zeigt, vor allem aber
forschend und fragend, so als müsse er sich immer wieder davon überzeugen, daß ich mit meiner Weiblichkeit
Wirklichkeit bin.
Bei aller Unnachgiebigkeit, mit der Georg seine Herrschaft über mich ausübt und zu der ich ihn immer wieder
herausfordere, ist er zärtlich und im täglichen Umgang fast der rücksichtsvollste Mann, den ich überhaupt kenne.
Sein Bemühen, jede Verletzung zu vermeiden, geht zuweilen bis zur Erschwernis des Alltagsumgangs. Doch ich
weiß, was das alles wert ist, denn ich habe ein vorher nie gekanntes Vertrauen in ihn, daß er meine Grenzen, die
auch ich habe, so weit sie auch sind, nicht überschreitet und noch mehr, daß er mich nicht nur liebt, sondern vor
allem auch achtet.
In Georg vereinen sich Liebe, Gewalt und Zärtlichkeit zu einer verzaubernden Mixtur, die mich um alle Sinne
bringen kann. Auch wenn wir keine Zeit haben, für eine ganze Nacht oder wenigstens für Stunden ineinander zu
versinken, auch wenn mich nicht Stunden der Fesseln und der schmerzenden Reglosigkeit erwarten, wenn ich mich
ihm nur präsentiere, dann läßt er mich für einige Minuten so vor seinen Augen liegen, legt die Stirn an meinen
Schoß, streicht mit den Lippen zuerst durch mein Schoßhaar und faßt dann mit ihnen und den Zähnen die Lippen
meines Schoßes und läßt mir mit kurzen, behutsamen Bissen strömende Hitze bis in mein Rückgrat und durch die
Schenkel laufen. Atemlos warte ich darauf, daß seine Zunge an meine Klitoris stößt, wieder Stromstößen ähnlich,
dann dringt sie in meinen Schoß – und wirft mich für Augenblicke in einen Abgrund der Lust.
In unseren langen Nächten fügt er dieser überwältigenden Liebkosung harte und zuzeiten grausame
Fesselungen und vor allem eine grausam langsame Zwiesprache seiner Lippen und seiner Zähne mit meinem
Schoß hinzu. Quer über dem Bett liegend bin ich mit hochgeschlagenen Beinen in eine weite Spreizung gebunden,
die Brüste schmerzhaft in dünne Fesseln geschnürt, Georg hält die Enden der Seile in den Händen, die mich
spreizen, sein Kopf liegt auf meinem Schoß, dessen Lippen von seinen Zähnen gepackt sind, seine Zunge ist in
meinem Schoß. Er schlägt mit kurzen und dann wieder langen Bissen vorsichtig seine Zähne in meine
Schamlippen, hält sie gepackt und dehnt sie, als sei mir der Schoß beschwert, seine Hände ziehen mir die Beine,
die an der Grenze zum Schmerz ausgespannt sind, rhythmisch nach oben. So zwingt er mich, ihm im gleichen Takt
den Schoß entgegenzuheben und damit seine Zunge in die siedende Tiefe des Schoßes zu ziehen.
Unter dieser Liebkosung, die wild und zärtlich zugleich ist, verliere ich immer wieder jedes Zeitgefühl, ich weiß
nicht mehr, wie lange ich so gebunden bin, wie lange er mich durchdringt und wie lange seine Zähne die Lippen
meines Schoßes gepackt halten. Es sind Abgründe von Lust, Zeitlosigkeit, Schmerz und Gewalt, in die er mich
fallen läßt und in die ich mich selber fallen lasse.
Auch ich möchte ihn mit dem Mund liebkosen, habe Verlangen nach der Durchdringung meines Mundes und der
Berührung meiner Kehle, auch einmal einer harten und langen Knebelung mit seinem Glied, aber ich spüre bei ihm
eine rätselhafte Scheu davor, die eine Frage zwischen uns gestellt hat, auf die ich von ihm keine Antwort bekomme,
die ich aber finden will. Bis dahin begnüge ich mich mit einem zärtlichen Gleiten meiner Lippen über sein
Geschlecht, wenn ich zur Begrüßung vor ihm knie.
Zu knien und vor ihm und für ihn ausgespreizt zu sein, das sind meine liebsten Unterwerfungsrituale. Natürlich
berausche ich mich auch und gerade inmitten meiner großen Unterwerfungen an dem für ihn überwältigenden
Faszinosum meines Körpers und meiner Weiblichkeit, an denen er nicht satt wird, doch mit meinen Brüsten prunke
ich auch als seine Sklavin, vor allem vor anderen, auch in Georgs Umgebung, vor den Männern in Pachau und auf
den anderen Gütern, oder wenn wir ausgehen, am liebsten in Ungarn oder in Bratislawa – und vor dem Prinzipal
und seiner Frau, die für Georg »die Patrona« heißt und der er mit einem fast verehrenden Respekt und einer
Galanterie begegnet, die mich zuweilen ärgerlich machen.
Die Faszination, die ich auf Georg ausübe, die Verzauberung durch die schrankenlose Verfügung über meine
Weiblichkeit, hat ihm den Gedanken eingegeben, mich seine Gewalt über mich auch dann fühlen zu lassen, wenn
wir uns nicht berühren, ja nicht einmal zusammen sind. Am liebsten dann, wenn ich in Pachau bin – ich bin oft dort,
aber völlig nach meinen Wünschen, eine Einengung im täglichen Leben durch Georg kenne ich nicht – legt er mir
Klammern an den Schoß, sobald ich mich zur Begrüßung dargeboten habe. Es sind kurze, breite Klammern, die wie
kleine Hände geformt sind und stumpfe Seiten haben; eine neben der anderen besetzen sie die Lippen meines
Schoßes und begleiten mich mit leisem, süßem Schmerz. Ich mußte lernen, mich mit dem geklammerten Schoß zu
bewegen, zuweilen gelingt es mir sogar, so am Flügel zu sitzen; ich habe es gelernt. Mache ich eine rasche
Bewegung, so rinnt ein schneller Schmerz aus meinem Schoß in mein Becken und meine Lenden, auf den ich durch
kleine Signale antworte. Nur Georg kennt sie, aber gerade sie will er erleben. Er spricht es auch aus, daß er so eine
stetige, schöne kleine Gewißheit hat, mich zu berühren und seine Gewalt über mich fühlen zu lassen, auch wenn
wir uns nicht unmittelbar nahe sind. Ich bin fast süchtig geworden nach diesem Gefühl einer fast immerwährenden
Annäherung durch ihn, so daß ich mir manchmal, bevor ich ihn aus meiner Wohnung anrufe, selbst ein paar
Klammern ansetze und ihm davon berichte, was ich fühle.
Wenn er mich gebunden und ausgespreizt hat, dann können die Klammern unter seinen streifenden Händen, die
spielerisch über das Geflecht an meinen Schamlippen wandern, zu kleinen Bestien werden, die mir wie mit
Schlangenzähnen den Schoß martern, bis ich mir beide Fäuste in den Mund stopfe, um nicht zu schreien.
Die zweite große Überraschung erlebe ich beim Studium. Der Drang, mich am Klavier auszudrücken, ist seit der
Kinderzeit eine bestimmende Konstante in mir gewesen, aber den Ausdruck, den ich vor allem durch zähes,
manchmal verzweifeltes Üben gesucht habe, den beginne ich erst jetzt zu finden. Ich kenne den Grund. Nach
chaotischen Versuchen – Anbeter habe ich fast immer wie einen kleinen Kometenschweif hinter mir hergezogen,
nur eben welche? – und dem Leben in einer Welt bizarrer Fantasien, in der ich mir vergeblich zu schaffen versucht
habe, was nur der richtige Partner geben kann, ist jetzt Georg da, mir gleichsam von einer Welle des Schicksals in
den Schoß gespült.
Auch jetzt kann ich sagen: Was für ein Partner! – nur im umgekehrten Sinn. Ich habe vielleicht von einem
Meister über meine Weiblichkeit wie Georg geträumt, aber nicht von einem Mann und schon gar nicht von einem
Partner wie ihm, nicht von seinem kulturellen Format, seiner Weltläufigkeit und Weite, die sonderbar genug selten
mehr um ihn ist als inmitten seiner Felder, und schon gar nicht von seiner persönlichen Integrität.
Ich werfe mich vor ihm zu Boden, biete entblößt den Schoß und die Lenden seinem prüfenden Blick, ich kauere
gebeugt vor ihm und biete die aufgereckte Kruppe seinen Augen und dann seiner Peitsche, halte mich absichtlich
so, als gäbe es von mir überhaupt nur diese Kruppe, ich stöhne schweißnaß und manchmal mit blutiggebissener
Lippe unter seiner Peitsche – und fühle mich anerkannt, geachtet, auch bewundert und geliebt wie von niemand
sonst. Beides zusammen, das habe ich wohl gesucht. Jetzt, da ich es habe, übe ich nicht mehr am Flügel, ich
spiele.
Marianna:
Ich erwachte von dem Druck seiner Hand auf meiner Schulter. Er sagte nur: »Stehen Sie auf, Marianna, es ist Zeit
für die Peitsche!« Bei dem Versuch aufzustehen, verlor ich fast das Gleichgewicht, so schwindelig war mir vor
Erschrecken und Angst, doch er stützte mich nicht, wies nur auf die Tür zum Bad. Ich verstand, daß er mich auch
zur Toilette schickte. Kaum konnte ich mir vor dem Spiegel das Haar lose aufstecken, so bebten mir die Hände. Jäh
warf ich das Nachthemd ab und ging nackt zu ihm zurück. Er setzte mir breite Klammern an die Brüste – er hatte
sich sichtlich gut vorbereitet. Der Schmerz ging wie ein Stoß bis in den Schoß. Er verband sie mit einem Strick und
führte mich so die Treppe hinunter in den Fitneßraum, in dem der alte Onkel auf einer Vielzahl von Geräten seinen
verbissenen Kampf gegen Alter und Tod geführt hatte. Jetzt würde er der Ort meiner bisher größten weiblichen
Erniedrigung und Auslieferung werden. Ich spürte verzweifeltes Verlangen nach einer einzigen Liebkosung, doch er
griff mir nicht einmal an die Brüste, die unter dem Schmerz und dem Zug der Klammern brannten. Georg wies auf
die lange Streckbank in der Mitte – es war warm, aber mir liefen Schauer über den Rücken – und befahl: »Legen
Sie sich dorthin.« Die Peitsche lag auf einem anderen Gerät daneben. Ich gehorchte, legte mich rücklings auf die
Bank, er trat über mich, so daß ich mit dem Becken zwischen seinen Knien lag, packte meine Beine an den Fesseln
und bog sie zuerst nach oben, dann so nach hinten, daß meine Kniekehlen durch seine Achseln geführt, von seinen
Schultern wie von Riesenzwingen gehalten wurden. Ich fühlte mich völlig fixiert, aber ich spürte seine große Nähe.
Langsam trat er rückwärts, meine Beine wurden zu Hebeln, die Lenden und Schoß der Peitsche entgegenhoben.
Ich fühlte mich in eine Erniedrigung geworfen, die mir fast den Atem zuschnürte. Es war der Mann, den ich liebte
und durch Jahre meines Lebens verzweifelt begehrt hatte, aber jetzt war er auch der Mann, der die Züge meines
Gesichtes nicht sehen wollte, der mich zwang, sie hinter meinen gespreizten Schenkeln zu verschließen, der nicht
mehr meinen ganzen Leib beachtete, sondern mich zwang, nur noch Geschlecht zu sein, der wollte, daß es mich
nur noch so gab – und der mich seiner Peitsche auslieferte. Und dennoch machte es mich auch stolz, weil ich es
war, die er so sehen wollte, wenigstens in diesem Augenblick.
Der erste Schlag traf mich über die ganze Breite der Lenden. Die Peitsche war weich und hatte viele Riemen,
Georg führte sie vorsichtig, fast zögernd, jetzt auf die Innenseite der Schenkel. Jeder Berührung folgte ein Brennen,
das sich ausbreitete, durch die Kruppe bis in die Knie. Der Stolz auf die Erniedrigung, die ich von ihm ertrug, und
auf das Begehren, das mir die Peitsche mitteilte, hielten an, ich hatte ein ungewisses, fremdes Glücksgefühl, weil
die Peitsche zu seiner Hand gehörte. Doch dann hörte ich mein eigenes Aufschreien. Georg hatte mir zum ersten
Mal die Peitsche in den geöffneten Schoß gegeben. Jetzt war es kein Brennen mehr, ich fühlte einen scharfen,
strengen Schmerz, der ins Innere des Körpers drang, die Lenden und den Schoß wie in Krämpfen zucken ließ, der
durch die Lenden bis in den Rücken schoß und sich dort mit dem Schmerz des nächsten Schlages vereinigte, sooft
die Peitsche wieder in die Furche der Lenden und in den Schoß fiel, immer schneller und vor allem mit immer
größerer Gewalt. Ich schrie und keuchte, Schoß und Lenden schienen zu sieden, ich fühlte mich vom Schmerz wie
durchpflügt, die Peitsche schien nicht mehr in seiner Hand zu sein, war eine fremde Bestie geworden, irgendeine
Dämonin, die mich unter ihre Gewalt gebracht hatte, unter die Gewalt von Scham, Erniedrigung und Verzweiflung,
unter der nicht mehr er, sondern nur diese Peitsche mich gefangen hielt. Ich fand erst zu mir zurück, als er mich
freigegeben und mir auf die Füße geholfen hatte. Lächelnd nahm er mich in die Arme und küßte mich auf die
Schläfen. »Unter der Peitsche waren Sie eine sehr große Frau, Marianna«, sagte er.
Georg:
Tage und Abende des frühen Oktober, träger Wind, der noch aus dem späten Sommer zu kommen schien, der über
den Fluß strich und den fauligen Ruch der Seine mitbrachte, während hinter Notre Dame die Sonne in fernen
Feuern zu versinken schien, die Wärme der Steine von Paris, die Stimme der träge dahinfließenden Seine und in
einer Nacht das Rauschen des Regens über den Dächern von St. Germain des Prés: Ich genoß die kurzen Tage
von Paris, genoß die Weltatmosphäre des Kongresses, der mich gleich dreimal als Referenten und als Moderator
zum Reizthema »Biotechnologie« gebraucht hatte, genoß auch den Beifall, den ich jedesmal bekam – und vor allem
genoß ich das Alleinsein.
Unsicherheit, Unbehagen, ja Beschämung über mich selbst wegen der drei Nächte mit der Patrona – das alles
wirkte bis zur Verstörung nach und wollte geordnet werden. Ich empfand in dieser Lage, in die ich mich vor allem
selber gebracht hatte, Benignas Aufenthalt in Edinburgh noch bis zum Monatsende als Erleichterung, spielte freilich
auch mit dem Gedanken, sie zum Wochenende, nach dem Kongreßende, nach Paris zu holen.
Immer wieder fragte ich mich: War es nötig, dem schönen Spiel dieser fünf Jahre mit der Maria immaculata, die
eigentlich Marianna hieß, mit der Aristokratin, die wie aus einem Tizianbild herausgestiegen sein konnte und die
man vor dem inneren Auge so wunderbar entkleiden und sich in so schönen Fantasien mit ihrer ganzen Weiblichkeit
gefügig machen konnte, während man sie in der Wirklichkeit zuweilen fast übertrieben respektierte, so drastisch ein
Ende zu machen? Und mußte ich ihr so viel Macht über mich zugestehen, nur weil ich einmal mehr vor der
Vergänglichkeit, dem nahen Alter und dem Vergehen in einen Frauenschoß flüchten konnte? Warum hatte mir
Benigna nicht genügt?
Ich hatte mein Quartier wieder in dem aus den Brüsseler Jahren – als ich noch meinte, sie würden nie enden –
geliebten »Appartmenthotel« an der Place de la Nation, in dem man seinen eigenen »Haushalt« führen konnte,
auch, weil ich überlegt hatte, Benigna nach Paris zu rufen. Am letzten Abend stand ich auf eine halbe Stunde in
einer Seitenkapelle von Notre Dame, in der das II. Ave Maria von Bruckner gesungen wurde. Schmerz
überschwemmte mich, am meisten über mich selbst. Schmerz um den Verlust des Bildes der lauretanischen Maria,
die die Patrona für mich gewesen war. Der Besitz ihrer Weiblichkeit, das Eindringen in ihren Schoß und ihr schönes
Schreien unter der Peitsche hatten mich ein Stück Jugend gekostet. Sie war in mich verliebt wie ein junges
Mädchen – und ich hatte sie ein wenig als »hohe Frau« angebetet, so, als sei auch ich noch siebzehn Jahre alt.
Nun war dieses Bild zersprungen, an seine Stelle war das einer Frau mit geöffnetem Schoß getreten.
Doch dann war sie wieder da, die sinnlose Betörung, die mich um jede Vernunft gebracht hatte, bei der langen
Dehnung inmitten des Ave Maria, eine der zahllosen Brucknerschen Dehnungen der Zeit, die mir oft vorkamen wie
die Dehnung eines Frauenschoßes: Marianna gespreizt unter mir, in ihrem Schreien die Worte, in die sich die
Pastorale und die Unvollendete zu verwandeln scheinen, jetzt oder in der Tonfolge des nächsten Augenblicks, ihr
aufgerissener Leib, der zur Weiblichkeit der Felder geworden war. Die Furche ihrer Lenden war eine Pflugfurche,
die Peitsche ein Pflug, der sie aufriß. Mit ihrem zuckenden Schoß hatte sich fruchtbare, von mir geschundene Erde
aufgetan. Ihre Macht schien schrankenlos, am meisten, wenn sie keuchend auf den Biß der Peitsche geantwortet
hatte. Mir wurde bewußt: Diese Macht hatte Marianna durch die zwanzig Jahre, die sie älter als Benigna ist, ihr
voraus, aber ich wußte nicht warum.
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