Seitenblick Verlag
Leseprobe aus »Entfesselt in Hamburg«
David schnappt sich das Taxi, und ich steige einfach mit ein, lasse mein Auto stehen. Wir fahren zu
seiner Wohnung, ein Loft draußen in Niendorf, vollgestellt mit Jungskram, Werkbank, Motorrad,
Basketballkorb, E-Gitarre. Es riecht etwas nach KFZ-Werkstatt, nach Gummi, Öl und Metall. David
schiebt eine große Tür an der Wand zur Seite. Dahinter befindet sich eine große breite Nische mit
Andreaskreuz, Flaschenzug und einem Bock. Seile und Ketten hängen säuberlich geordnet an der
Wand, Peitschen, Paddel, Gerten, in einem Köcher die Rohrstöcke, in einem kleinen Regal Dildos,
Vibratoren, das übliche Zeug.
Plötzlich bin ich extrem nervös. Will ich das? Will ich das wirklich?
Er hat wohl auch seine Zweifel, fragt: „Warum bist du mitgekommen?“
„Um dich nackt zu sehen?“
„Mehr willst du nicht?“
„Ein Orgasmus wär‘ auch nicht schlecht.“
Er grinst, und ich weiß, dass er mich durchschaut, dass er das ängstlich zitternde Mädchen sieht, das
sich hinter der coolen Fassade versteckt.
„Was trinken? Bier oder einen Mix?“
Ich denke, dass er Mezzo-Mix meint, und entscheide mich dafür, weil ich kein Bier mag. Er kommt mit
einer Dose Bier für sich zurück und wirft mir eine Tube zu. Wodka mit irgendwas.
Drinks aus der Tube, das ist echt degeneriert!
Er tritt dicht an mich heran, greift in mein Haar und biegt meinen Kopf zurück. Die Tube fällt mir aus der
Hand. Meine Knie werden weich. Ich verliere das Gleichgewicht, trete gegen meine offene Tasche, die
ich auf den Boden vor die Couch gestellt habe. Sie fällt um, und der Inhalt schliddert heraus. Egal. Er
zwingt mich auf die Knie. Ich schaue an seinem Körper hinauf, und mir wird schwindelig vor Lust, weil
ich diesem Gott der Schönheit so nahe sein darf. Wie gerne würde ich seine Haut an meinen Lippen
spüren, seinen seidigen Schwanz tief in meinem Mund ... Ja, um das zu haben, würde ich das
Schlimmste ertragen.
Amüsiert musterte er mein Gesicht. Diesmal gebe ich mir keine Mühe, mein Verlangen zu verbergen. Er
zerrt mich an meinen Haaren wieder hoch in den Stand.
„Zieh dich aus“, befiehlt er.
Ich gehorche, lege Mantel und Kleid ab.
„Ganz“, verlangt er.
Ich will das nicht, will nicht, dass er mich ohne alles zu sehen bekommt.
„Lieber nicht. Ich fühle mich nicht wohl nackt.“
Er zieht die Augenbrauen hoch. „Darum geht’s auch nicht, oder?“
Sicher. Natürlich geht es nicht darum.
„Na, mach schon!“, herrscht er mich laut an.
Ich fahre vor Schreck zusammen. Nur weil es überraschend kam, nicht weil es mir nicht gefällt. Ich
lasse das Korsett trotzdem an, vielleicht nur, um zu sehen, was er tun wird.
Mein Ungehorsam bringt mir eine Serie Hiebe mit einem dünnen Stock auf die Waden ein. In mir wird
alles weich. Mit vor Geilheit zitternden Fingern fummele ich an den Strumpfhaltern herum, kriege sie
nicht auf, was mir weitere Schläge einträgt. Dann hilft er nach, reißt mir die Strapse mit Gewalt ab. Die
Strümpfe, echte Nylons, rutschen an meinen Beinen herunter.
„Schneller, los, los!“, treibt er mich an.
Widerwillig fange ich an, die Haken des Korsetts zu öffnen. Der Stock zeckt auf meine Oberschenkel,
weil er findet, dass ich mich nicht genügend beeile. Zögernd mache ich den letzten Haken auf, halte
das Korsett aber vorne noch zusammen. Er schlägt mir auf die Hände, bis ich es fallen lasse. Nackt
stehe ich da und weiß nicht, wohin mit meinen Händen. Ich halte die hängenden Arme vor meine
breiten Hüften, um sie schmaler wirken zu lassen.
Er geht langsam um mich herum und begutachtet mich, wie ein Käufer eine Sklavin auf dem Markt.
Fette Schenkel, stellt er fest, ein Arsch wie ein Brauereigaul. Klasse Titten jedoch, schön, schön. Er
zwingt mir den Mund auf und begutachtet meine zum Glück perfekten Zähne. Seine Hand drängt sich
zwischen meine Schenkel, Finger penetrieren mich, testen eher meine Weite, als meine Bereitschaft.
Die aber natürlich vorhanden ist. Reichlich. Obwohl ich mich innerlich dagegen auflehne, so inspiziert
zu werden, erregt es mich aber auch.
Er zieht sein schwarzes Hemd aus. Ich würde meine Wange gerne an diesen perfekt geformten
Brustkorb legen, die glatte, enthaarte Haut küssen, aber ich bekomme keine Gelegenheit dazu. Er fläzt
sich in einen nahestehenden Sessel und befiehlt mir, ihm noch ein Bier zu holen. Dass ich es auf den
Knien tun soll, ist klar, er muss es nicht extra befehlen. Aber als ich die Dose mit der Hand aus dem
Kühlschrank nehmen will, fordert er: „Mit dem Mund. Du wirst die Hände nicht benutzen. Leg die
Handgelenke überkreuz auf den Rücken. Als wären sie so gefesselt.“
Ich tue, was er verlangt, bemühe mich wenigstens, aber mein Mund ist nicht groß genug, dass ich ihn
über eine Bierdose stülpen könnte. Außerdem liegt der Boden des Fachs über den Bierdosen so tief,
dass ich meinen Kopf nicht richtig in das Fach hineinbekommen kann. Ich versuche es trotzdem, stoße
aber nur zwei Dosen um. Eine rollt in die Tiefe des Kühlschranks, die andere bleibt vorne am Rand des
Fachbodens liegen. Ich bemühe mich, sie irgendwie mit den Zähnen am Rand zu fassen zu kriegen,
aber sie rollt immer wieder weg. Schließlich poltert sie aus dem Kühlschrank heraus. Ich drücke die
Kühlschranktür mit der Schulter zu und rolle die Dose mit dem Kinn zu ihm hin. Da ich die Hände nicht
zum Abstützen benutzen kann, dauert es ziemlich lange.
Er tadelt mich. Die Aktion ging ihm nicht schnell genug. „Kein Wunder, dass du so lahm bist, bei deinem
Fettarsch“, kommentiert er. „Machst wohl gar keinen Sport, was?“
„Doch.“
Ich habe ein Laufband und benutze es auch täglich. Meist sogar mehrmals täglich. Um die Frustration
wegzulaufen, die innere Leere, das Verlangen nach Erlösung, nach der Substanz, die Frieden schenkt.
„Klar, Schwabbelbacke“, grinst er gemein. „Sind alles nur Muskeln.“
An mir schwabbelt gar nichts. Ich bin nur untenrum zu breit gebraut. Aber ich bin zu verletzt, um mich
zu verteidigen, um überhaupt irgendwas zu sagen. Er hätte jede haben können. Wenn es ihn stört, wie
ich aussehe, warum hat er mich dann mitgenommen?
„Los, los, nicht so müde, Fettarsch, streng dich mal ein bisschen an!“
Er ist aufgestanden. Die Gerte fällt auf meine Hinterbacken, die Rückseite meiner Oberschenkel. „Na,
los, du Fettsau, schneller, schneller! Widerlich, wie du dich gehen lässt, wo du noch so jung bist.“
Ich bin wütend. Enttäuscht und traurig. Wie konnte ich bloß so blöd sein? Er hat mich nicht zu dieser
Session eingeladen, weil ihm irgendwas an mir gefallen hat. Er war bloß in der Stimmung, eine mal so
richtig runterzumachen, und mit meinen offensichtlichen Mängeln bin ich dafür natürlich ein geeignetes
Objekt.
Wir sind beim Sessel angekommen. Er setzt sich, greift nach der Dose, reißt sie auf. Natürlich hat sich
durch die Bewegung Schaum gebildet, der jetzt herausspritzt. Ich soll seine Hände sauberlecken, was
ich gerne tue. Dann die Dose, die er mit zwei Fingern oben gepackt hält. Auch das tue ich, nicht gerne,
aber willig. Danach soll der Boden drankommen. Er ist nicht schwer verdreckt, aber auch alles andere
als sauber, und ich weigere mich.
„Leck es auf, Schlampe, mach schon. Eine, die so aussieht wie du, sollte wenigstens gehorsam sein.“
Er treibt mich an, diesmal mit einer Gerte. Er schlägt nicht sehr fest zu, anfangs nicht. Später dann
schon, aber das ist nicht schlimm. Schlimm sind die Worte, die fortwährenden Beleidigungen.
Er beklagt sich, dass ich ihn im Catonium getäuscht habe, mit meinem Outfit, dem Korsett. „Irgendwann
werde ich noch durchsetzen, dass man Sklavinnen da nur noch nackt reinlässt. Damit man auch weiß,
was man kriegt. Hätte ich geahnt, wie fett dein Arsch ist, hätte ich dich nie mitgenommen.“
Ich werde bestraft, weil ich Widerstand gezeigt und nicht gleich freiwillig den Boden aufgeleckt habe. Er
bestückt mich mit Klammern an Brüsten, Bauch und Schamlippen. „Du solltest deine Haare da lieber
wachsen lassen“, empfiehlt er mir. „Damit man deine fetten Fotzenlippen nicht so sieht. Ekelhaft, wie
speckig die sind.“
Langsam finde ich es absurd. Über meinen breiten Arsch kann man ja herziehen, aber pralle, saftige
Schamlippen wie meine sind allemal ein geilerer Anblick als dünne, magere. Finde ich wenigstens, und
ich glaube, die meisten Doms wären da meiner Meinung. Trotzdem protestiere ich nicht. Noch nicht.
Erst dann, als er mich eine Beleidigung für jedes Auge nennt.
Mein Widerspruch bringt mir einen Satz Ohrfeigen und einen neuen Schwall von Herabwürdigungen
ein. Mir kommen die Tränen. Ich will nicht heulen, versuche mein Schluchzen zu unterdrücken, aber es
ist einfach zu viel. Mein Gesicht brennt von den Ohrfeigen. Die Klammern, auf die er ab und zu mit der
Gerte schlägt, schmerzen unerträglich. Aber am schlimmsten, am allerschlimmsten sind die Worte.
„Was flennst du? Ich sag doch nur die Wahrheit“, meint er kalt und traktiert meine Brüsten mit
Schlägen.
Ich will gehalten und getröstet werden. Ich will, dass er alles zurücknimmt, mir sagt, dass er es nicht so
gemeint hat. Und vor allem will ich gefickt werden.
Aber er lacht mich nur aus und sagt verächtlich: „Hast du dir im Ernst eingebildet, dass ich so was wie
dich ficken könnte? Wie soll mir denn bei deinem Anblick einer hochkommen, Schwabbelbacke? Du
ekelst mich an. Schon wie du da auf deinen fetten Schenkeln kniest, einfach widerlich.“
Er holt einen dicken rosafarbenen Dildo herbei, reißt meinen Kopf an den Haaren zurück und stopft ihn
mir tief in den Mund. „Lutsch den Gummipimmel, hässliche Schlampe.“
Ich würge, ringe nach Luft. „Nicht mal richtig blasen kannst du“, beschwert er sich und fickt mich brutal
mit dem Dildo in den Mund. Immer wieder schiebt er ihn mir tief in den Rachen, bis es mir hochkommt
und ich zurückziehen muss. „Damit hast du ja wohl bewiesen, dass du nicht würdig bist, mein
Kostbarstes in den Mund zu nehmen“, meint er.
Mich immer weiter beschimpfend, zwingt er mich mit kräftigem Gerteneinsatz, ihn um einen Arschfick
anzubetteln. Nur, um mich dann deshalb zu verhöhnen: „Was fällt dir denn ein, du hässliche Sau?
Schon bei der Vorstellung, mein Schönstes zwischen deine ekeligen Fettbacken zu stecken, kommt’s
mir hoch. Du kannst froh sein, wenn ich dir erlaube, mir die Füße zu küssen. Das wäre dann aber auch
wirklich das Allerhöchste.“
Ich heule vor Selbstmitleid und weise mich gleichzeitig zurecht. Kann ich von einem Mann, der optisch
in eine völlig andere Klasse gehört, erwarten, dass er mich nicht als minderwertig ansieht? Wohl kaum.
Wer zu hoch klettert, fällt umso tiefer. Ich hab’s nicht anders verdient.
Überraschend fickt er mich dann doch. Vaginal, nicht anal. Trotzdem glaube ich zuerst nicht, dass ich
kommen werde. Ich bin zu verletzt, kann die Beleidigungen, die gemeinen Bemerkungen über meinen
Körper nicht vergessen. Aber er hat es nicht eilig, bearbeitet mich mit langsamen, tiefen Stößen. Am
Ende überwiegt der körperliche Reiz, lässt alle Gedanken verschwinden, und ich kann mich
fallenlassen.
Hinterher sagt er: „War doch ziemlich geil.“ Als ich darauf nichts erwidere, hakt er nach: „Du hast
gekriegt, was du wolltest, oder?“
Habe ich gekriegt, was ich wollte? Ich hatte Lust, ich bin gekommen, also muss ich ja wohl zufrieden
sein. Ich bin es aber nicht. Ich bin immer noch verletzt. Auch wenn diese Beleidigungen vielleicht nur
zum Spiel gehörten und er mich nicht wirklich körperlich ekelhaft findet, hat er das Ganze nicht
aufgelöst, die Worte nicht zurückgenommen.
Ich antworte ehrlich auf die Frage, worauf er grinst und sanft über meinen gestriemten Hintern
streichelt. Aber er nimmt nichts zurück, kein einziges Wort.
Ich ziehe das Korsett nicht wieder an, streife nur mein Kleid über. Dann knie ich mich hin und sammle
mein Zeug ein, das aus der Tasche gerutscht ist und sich über den Boden verstreut hat. Die Strümpfe
und das Korsett stopfe ich obenauf. David hat sich mittlerweile auch angezogen, was ich merkwürdig
finde. Wo will er hin? Noch mal ausgehen anscheinend nicht. Er hat zwar wieder die Lederhose an,
darüber aber ein ausgewaschenes Sweatshirt und eine billig aussehende Bikerjacke. Er stellt Fragen,
will wissen, wo ich wohne, ob ich mit dem Auto zum Catonium gekommen bin, ob ich den Wagen in
Stellingen stehen lassen will, und so weiter. Ich antworte, ohne mir irgendwas dabei zu denken. Der
übliche Smalltalk danach. Erst als ich mir ein Taxi rufen will, kommt er damit raus, dass er mich fahren
will. Eigentlich würde ich lieber das Taxi nehmen. Ich bin nicht angezogen für eine Tour auf dem Bike.
Andererseits ist es ja nicht so weit, und es tut mir irgendwie gut, dass er mich bringen will. Keine
Rücknahme der Beleidigungen, aber doch eine Art Wiedergutmachung.