Seitenblick Verlag
Leseprobe aus »Dämonen der Leidenschaft«
Nach einer schier endlosen Zeit hörte sie wieder seine Schritte. Er öffnete die Zellentür
und trat ein.
»Es ...«
»Ruhe!«, fuhr er sie an.
Sie starrte ihn mit aufgerissenen Augen an, sagte aber keinen Ton mehr. Er trat an sie
heran. Jetzt sah sie, was er in der Hand hielt. Es war eine stählerne Kopfmaske, allerdings
nicht die Maske, die sie bereits einmal angelegt bekommen hatte. Er klappte sie auf, griff
mit der rechten Hand in ihre Haare und hielt so ihren Kopf fest. Mit der anderen Hand hielt
er die aufgeklappte Maske vor ihr Gesicht. Auf Höhe ihres Mundes ragte etwas nach
innen, sodass sie ihren Mund öffnen musste, als sich die Maske näherte. Danach nahm er
die rechte Hand von ihrem Hinterkopf und klappte die Maske zu. Ein lautes, metallisches
Geräusch signalisierte das Einrasten des Verschlusses. Er drückte ihren geschlossenen
Kopfkäfig an die Zellenwand und machte sich daran zu schaffen. Sie spürte, wie das, was
von der Maske in ihren Mund ragte, auseinandergedrückt wurde. Sie musste den Mund
weiter öffnen, um dem Druck auszuweichen, der an Gaumen und Unterkiefer entstand. Als
der Druck nachließ, versuchte sie, den Mund wieder so weit zu schließen, wie es die
Konstruktion erlaubte. Wie bei der anderen Maske blieb ihr Mund gut zwei fingerbreit
geöffnet. Dieses Mal spürte sie allerdings keine schmerzhaften Druckstellen mehr am
Innenraum ihres Mundes, sondern der Druck verteilte sich großflächig auf ein breites
Band. Sie hörte ein schnappendes Geräusch, das sie nicht einordnen konnte. Dann spürte
sie seine Hand in ihrem Mund. Dem seltsamen Geschmack nach hatte er einen
Gummihandschuh angezogen. Mit diesem griff er nach ihrer Zunge und zog sie nach
außen. Was hatte er nur vor? Etwa Kaltes schob sich über ihre Zungenspitze. Er wollte sie
ihr doch nicht abschneiden, dachte sie in einem Anfall von Panik. Immer weiter schob er
ihr dieses kalte Etwas über ihre Zunge. Dann drückte er es ihr weit in den Mund hinein,
sodass ihre Zunge fast vollständig darin eingeschlossen war. Es musste eine Art Käfig
sein. Wieder rastete etwas ein. Ihr Kopfkäfig wurde losgelassen. Sie hörte seine Schritte
undeutlich durch die Maske, die ihren ganzen Kopf umschloss. Die Zellentür fiel ins
Schloss, etwas später eine zweite. Sie war wieder alleine.
Schockiert griff sie nach ihrem Kopf und betastete das stählerne Gefängnis. Vor ihrem
Mund schien eine Art Fliegengitter zu sein, durch das sie atmen konnte. Auch an der Nase
gab es so etwas. Ein Schloss konnte sie nur an der Mundöffnung ertasten. Wie der
gesamte Käfig wieder geöffnet werden könnte, war für sie nicht feststellbar. Wollte er sie
etwa immer in dieser Maske stecken lassen? Dazu passte, dass ihr Mund nicht mehr
schmerzhaft offengehalten wurde. Die neue Konstruktion erfüllte ihren Zweck, ohne
Schmerzen zu bereiten. Nicht grundlos grausam? Anita hatte den Eindruck, dass ihr
geöffneter Mund die Austrocknung mit erhöhter Speichelproduktion ausgleichen wollte.
Das Schlucken war mit der fixierten Zunge kaum möglich. Sie musste den Kopf in den
Nacken legen, um ihre Spucke zu schlucken, wenn sie nicht durch das Fliegengitter
sabbern wollte.
Eine Chance, sich bei ihm zu entschuldigen und ihn um Vergebung zu bitten, gab es
nun nicht mehr. Reden war mit der fixierten Zunge absolut unmöglich. Selbst ohne diese
hätte sie durch den zwangsgeöffneten Mund nicht mehr als ein Lallen zustande gebracht.
Wie sollte sie ihm jetzt noch klar machen, was er ihr bedeutete? Nicht einmal
Augenkontakt konnte sie durch die Maske mit ihm aufnehmen. Verzweifelt und
hoffnungslos lehnte sie an der Wand. Sie hatte nicht einmal mehr Tränen.