Seitenblick Verlag
Sich wehrlos gebunden dem Messer auszuliefern, setzt maximales Vertrauen, die
vollkommene Hingabe voraus. Die Herrin legt der Sklavin die Fesseln an. Die kalte
Klinge ruht für eine Weile im Mund der Sklavin, zwingt ihr Stummheit auf. Die
Bedrohung wächst. Noch ist ungewiss, was der Sklavin bevorsteht. Die Herrin gibt
nicht preis, was sie beabsichtigt. Vielleicht ist es nur
ein Spiel, vielleicht aber auch mehr? Die Herrin
besänftigt die Furcht ihrer Sklavin mit sanfter Hand,
bevor sie die Klinge gegen deren Brust richtet, sie in
das zarte Fleisch des Warzenhofs presst. Die
Sklavin weicht nicht zurück, hält dem Schmerz
stand. Voller Hingabe blickt sie zu ihrer Herrin auf,
nimmt willig an, was immer kommen mag. So
erweist sie sich als würdig, das Zeichen ihrer Herrin
zu empfangen. Mit scharfer Klinge schneidet die
Herrin das Initial ihres Namens in den Bauch der
Sklavin, kennzeichnet sie unwiderruflich als ihren
Besitz.
Im Gegensatz zur Vergabe eines Rings oder
Halsbands, die jeder Zeit wieder abgestreift werden
können, drückt sich in der Körperzeichnung – gleich,
ob sie tätowiert, eingebrannt oder geschnitten wird –
das Bekenntnis zur dauerhaften Verantwortung der
Herrin bzw. absoluten Unterwerfung der Sklavin aus, und das blutige Schneiden ist
wohl der archaischste, zugleich mächtigste Weg, eine solche Verbindung zu
besiegeln. In der alten Tradition der Blutrituale verspricht der, der sein Blut gibt, mit
dem Leben einzustehen, für eine Sache oder einen Menschen, was hier, weil es
einseitig ist, bleiben muss, die allerletzte Preisgabe der Sklavin beweist – und
belohnt wird durch die höchste Lust.
»Devotes Blut«
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Rezension in ORKUS
März 2003